Februar war für mich Urlaubszeit – daher gab es keine neuen Posts.

Am 13.03.2013 gegen 16.00 Uhr habe ich ein Treffen im Jakob-Kaiser-Haus (neben dem Deutschen Bundestag) mit Mitarbeitern der Abgeordneten Oliver Krischer und Marieluise Beck (beide von der Grünen Fraktion) – ich werde berichten…
Von dort werde ich mich in die Kantine des Reichstagsgebäudes durchschlagen, dort eine Currywurst mit Pommes essen und dann direkt nach Russland fliegen.

Am 16.03. 2013 treffen dann in Bingi die ersten deutschen Journalisten ein, die über unser Dorf eine Reportage machen möchten.

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Am Mittwoch habe ich den „Cyanid-Papst“ in Bayern besucht: Prof. Dr Friedhelm Korte. Der junge Mann (er wird dieses Jahr 90) stand mir über zwei Stunden brav Rede und Antwort. Fast 30 Jahre hat er alles über den Einsatz von Cyanid im Bergbau erforscht. Auf Grund der „schlechten“ Forschungsergebnisse ist er zu dem Schluss gekommen, dass Cyanid als Handelsware verboten werden sollte. Ich hoffe, dass er das noch erleben wird…
Prof. Korte und ich

Ferner erreichte uns heute ein Brief vom Bergbauministerium Sverdlovsk: Es wird nochmals darauf hingewiesen, dass die Suche nach Gold mit Cyanid Stand der neuesten Technik ist (Hinweis von mir: Deutsche Erfindung von 1896 – das ist definitiv NEU in Newjansk). Am interessantesten ist aber die Seite 2. – dort wird erwähnt, dass nur nach einer öffentlichen Diskussion und nur mit der Zustimmung der Bevölkerung Cyanid eingesetzt werden darf.
Wie das in der Paraxis umbesetzt wird, ist natürlich nicht beschrieben…

Ich werde einen persönlichen BLOG bekommen bei der größten deutschsprachigen Online-Zeitung Russlands – http://www.aktuell.ru
Der erste Artikel ist heute veröffentlich worden: http://www.blog.aktuell.ru/2013/01/14/gift-tsunami-rollt-auf-russland-zu/

Bei aktuell.ru werde ich aber auch über anderes schreiben, als nur über Cyanid – eher Alltagsgeschichten aus dem Ural.

Morgen fahre ich mit Olga zu einem „Cyanid-Professor“ nach Bayern. Der junge Mann wird dieses Jahr 90 und hat davon fast 20 Jahre dem Kampf gegen Cyanid im Bergbau gewidmet. Leider war er aktiv vor der Erfindung des Internets…

Und eine eMail erreichte mich letzte Woche von Oliver Krischer – http://www.oliver-krischer.eu – Vielleicht geht da ja was.

Ich bitte um Entschuldigung, dass ich lange nichts geschrieben habe, aber ich habe fast permanent enen nach dem anderen Besuch aus Russland. Und die fordern alle ihre Aufmerksamkeit…

Russische Ämter
Zwischenzeitlich haben wir einige Briefe von russischen Behörden erhalten, bei denen wir unser Problem „Cyanid in Bingi“ vorgetragen haben. Tenor: Wir (die Behörden) haben die Hand an der Anlage – ohne uns geht nichts – wir geben keine Genehmigung. Grundsätzlich werte ich das als VORLÄUFIGEN Erfolg.

Altai
Im Altai Gebirge, im kasachischen Teil unweit der Grenze zu Russland, wird in einem 2000-Seelendorf auch nach Gold gegraben. E gibt einen allbeherrschenden Goldminenbetreiber und seit neuestem eine Cyanidanlage zur Goldsuche. Am 30. Oktober 2012 hat es dort einen Cyanidunfall gegeben und das Gift ist ins Grundwasser geflossen und ins Dorfflüsschen. Das Ganze hat mich ziemlich geschockt, denn es war für mich wie ein Blick in eine Kristallkugel.
Die Goldminenbetreiber wurden verklagt und zur Zahlung einer Strafe von 7 Mio. Euro verurteilt. Nun drohen sie mit der Schließung der Mine – 500 Arbeiter wären arbeitslos. Das Dorf und der Fluss ist bis heute kontaminiert.

Stiftung Attac Anonymus
Um unsere Interessen in Sachen Cyanid besser vertreten zu können, versuche ich mich an verschiedenste Organisationen anzulehnen. Von Anonymus bis zu verschiedenen Stiftungen habe ich überall angeklopft. Bisher ohne jegliche Reaktionen der anderen Seiten – das kann nur besser werden.

Presse und Medien
Da tut sich nichts: Das Thema ist scheinbar zu groß, zu kompliziert und bietet keine Tiere, Titten oder Tote. Da wird sich journalistisch in Deutschland kaum jemand rantrauen – eigentlich schade. Deutschlands Journalisten leben nunmal auf einer Eisscholle die weiter Richtung Süden treibt…

Petition
Ich hatte beim Deutschen Bundestag eine Gesetzesänderung eingereicht: Verbot der Cyanidlaugung im deutschen Bergbau. Aus verschiedenen Gründen wird die Petition sicherlich NICHT als begründet angesehen werden und daher
nicht der Bundesregierung vorgelegt. TROTZDEM würde ich mich sehr freuen, wenn ihr die Petition zeichnen würdet, da ich „meinen“ Russen gern zeigen würde, dass sie nicht ganz allein sind. HIER geht es zur PETITION

Ich gebe zu, dass ich zu dem Thema noch nicht meine Hausaufgaben gemacht hatte. Desto mehr bin ich heute nach meiner Recherche entsetzt, wem die Evonik AG gehört. Mit etwas Zynismus könnte man die Evonik AG auch „VEB Evonik“ nennen, denn sie gehört eigentlich allen Bürgern der Bundesrepublik Deutschland!

Der Reihe nach: Die Besitzer der Evonik AG sind zu 25,01% der britische Finanzinvestor CVC Capital Partners und zu 74,99% die RAG-Stiftung aus Essen. Den erstgenannten Besitzer vergessen wir einfach mal – er ist ein Minderheitsgesellschafter, der „nur“ Geld verdienen möchte.

Interessant ist der Mehrheitsgesellschafter: Die RAG-Stiftung. Wer und was ist die RAG-Stiftung?
Besitzer: Das ist GENAU nicht ganz leicht zu ermitteln, aber wahrscheinlich der Bund, das Land NRW und das Saarland – also WIR!
Aufgabe der RAG: Ab dem Jahr 2019 wird in Deutschland keine Steinkohle mehr gefördert werden. Die Stiftung hat dann die Aufgabe, die sog. „Ewigkeitskosten“ des SUBVENTIONIERTEN deutschen Steinkohlenbergbau (Dauerbergschäden, Grubenwasserhaltung und Grundwasserreinigung) zu begleichen. Kann die Stiftung ihre Aufgaben nicht nachkommen, dann springt der Bund ein oder evtl. die Länder NRW und das Saarland.
Finanzierung: Ein wesentlicher Teil der Finanzierung der Ewigkeitskosten soll der zukünftige Börsengang der Evonik AG sein, die zu fast 75% im Besitz der RAG-Stiftung ist. Da bereits fast 25% der Evonik AG 2008 an die CVJ Capital Partner für 2,4 Mrd. Euro verkauft wurden, kann man davon ausgehen, dass für die restlichen 75% ca. 8 Mrd. Euro beim Börsengang erzielt sollen. Diese Summe ist momentan bei einem Gang an die Börse nicht zu erzielen – also liegt er auf Eis.
Kann die Evonik AG bis zum Jahr 2018 NICHT an die Börse gebracht werden, dann werden WIR (der Bund) für die Ewigkeitskosten des Steinkohlebergbaus aufkommen müssen….

Quellen: Wiki und die Webseiten der Evonik AG und der RAG Stiftung

Am Sonntag waren wir in Essen (finanziert aus den Verkaufserlösen meiner Russland-DVD´S), da dort deutsch-russische Kulturtage eröffnet wurden. In der Heimatstadt der Evonik AG sollte das Event mit einer Ausstellung über die Kultur der Chanti-Mansi eröffnet werden. Zur Erklärung: BINGI ist ein von Chanti-Mansi gegründetes Dorf. Also eine gute Möglichkeit um Kontakt zu Bürgern aus Essen aufzunehmen. Das Ganze sollte in einem grossen Kino stattfinden in Verbindung mit der Deutschlandpremiere des 1.388 Anti-Kriegsfilm aus Russland: Der weiße Tiger.

Leider war die Veranstaltung schlecht organisiert: Das Kino war zur Filmpremiere nicht halb gefüllt und die Chanti-Mansi-Ausstellung fand an einem anderen Ort statt – es war schon sehr russisch.

Wir hatten ein paar Handzettel gedruckt, um die Bewohner Essens darüber aufzuklären, dass sie mit Cyanid „den Tod nach Russland exportieren“. Olga stand vorm Kino und hat Zettel verteilt und ich war drin: